Geschichten
aus dem Karwendel |
Studiengang Crossmedia Publishing
Modul JRM, Einführung in methodisches Recherchieren Dozent Marcus Lindemann Recherchemappe Dient das Naturinformationszentrum „Bergwelt Karwendel“ wirklich dem Naturschutz? Abgegeben am 03.02.2009 Rita Lunghamer A Bericht Blick in einen Abgrund Spektakulär ragt das Naturinformationszentrum „Bergwelt
Karwendel“ (NIZ) in Form Ursprünglich mit 1,1 Mio. EUR kalkuliert, belaufen sich die Kosten der gesamten Baumaßnahme mittlerweile auf etwa 2,7 Mio. EUR. Neben der Gemeinde Mittenwald als Bauträger gibt es noch zahlreiche weitere Geldgeber wie z.B. die EU, den Freistaat Bayern, die Allianzumweltstiftung und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Daneben wird von den Verantwortlichen des Projekts auch immer wieder die Unterstützung durch zahlreiche Umweltverbände wie den Bund Naturschutz, den Landesbund für Vogelschutz, den Verein zum Schutz der Bergwelt und den Deutschen Alpenverein (DAV) hervorgehoben. Eine runde Sache, möchte man meinen, naja, finanziell ein
wenig aus dem Ruder gelaufen, aber endlich mal eine Investition für
den Naturschutz, in der geklotzt und nicht Wirklich überall? Nein, eine kleine Gruppe von Umweltschützern
leistet der ihrer Meinung nach schönfärberischen Darstellung
der zahlreich in irgendeiner Art am Projekt Tiefer gehende Nachforschungen lassen dann aber eben doch erhebliche Zweifel aufkommen an dem schönen Bild von der „Versöhnung von Tourismus und Naturschutz“, wie es nicht nur Projektkoordinator Kai Elmauer gerne sehen will. Die Bedeutung für den Tourismus wurde von den finanziell oder organisatorisch am Projekt Beteiligten zwar nie geleugnet. Aber in den diversen Pressemitteilungen und Berichten wurde der Naturschutzgedanke, insbesondere die Umweltbildung, mindestens gleichberechtigt genannt oder sogar in den Vordergrund gerückt. Eine derart ausgestattete Umweltausstellung an einem solchen Standort „schärft den Blick für die Schönheit der Alpen und führt uns gleichzeitig ihre Schutzbedürftigkeit vor Augen“, so der damalige Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein bei seiner Eröffnungsrede. Fragt man aber nach bei denen, die die Ausstellung besucht haben oder besuchen sollen, kristallisiert sich eine deutlich weniger euphorische Sichtweise heraus. In einem Artikel des Garmisch-Partenkirchener Tagblatts bezeichnet der ehemalige Gemeinderat Adolf Merk die Ausstellung im NIZ als „eine lächerliche Darbietung, die viel besser ausgestattet sein müsste“. Und in einem Bericht des Bayerischen Fernsehens zur „Karwendelröhre“ klingt dies ebenfalls an, wenn es heißt, dass die Ausstellung im Vergleich zur Dimension des Bauwerks doch recht mager geraten sei. Der angehende Geografielehrer Christian G. geht zwar davon aus,
dass das Fernrohr mit seiner Ausstellung im Bereich der Umweltbildung
von Schulklassen hilfreich sein kann, allerdings müsse dabei immer
eine kritische Diskussion der – seiner Meinung nach aus Naturschutzsicht
äußerst fragwürdigen – Standortwahl eingebaut werden.
Die verwunderte Frage des Mittenwalder Zimmerers Thomas Hesslers in einem Auch einige Alpenvereinsmitglieder wie etwa Fr. P., Naturschutzreferentin
einer großen Sektion, äußern ihr Unverständnis zur
Haltung des DAV und der anderen Dies untermauert auch eine Aussage von Dr. Korbinian Dietl, Sprecher der Initiative „Jetz werds eng“, die sich dem Schutz des heimatlichen Karwendelgebirges verschrieben hat. Nach seinen Informationen seien viele dieser Verbände quasi vor vollendete Tatsachen gestellt worden: Der Bau sei beschlossene Sache, aber es bestände noch die Möglichkeit, Einfluss auf die Gestaltung der Ausstellung zu nehmen. Eine Stellungnahme zur aktuellen Position des DAV war leider nicht zu erhalten. Dr. Große-Ophoff von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
(DBU) verteidigt hingegen „Jetz werds eng“-Sprecher Dr. Korbinian Dietl verneint
einen Nutzen des NIZ für den Dr.Korbinan Dietl weist auch daraufhin, dass einige der Umweltverbände
mittlerweile die Man denke nur an die zum Teil mit Hubschraubern erfolgten Materialtransporte So muss man am Ende feststellen: Beim Blick in den Abgrund tun
sich Abgründe auf. Sicher gibt es auch positive Aspekte und es sei unbestritten, dass naturunerfahrene Menschen beim Besuch der Ausstellung des Fernrohrs durchaus etwas lernen und möglicherweise auch für den Erhalt der alpinen Umwelt sensibilisiert werden können, aber der Preis dafür ist hoch. So werden mit dem Bau der Röhre die strengen Bestimmungen für Naturschutzgebiete aufgeweicht, es ist zu fürchten, dass damit ein Präzedenzfall geschaffen wird. Dazu kommt die aufgrund der Standortwahl und der aufwändigen Architektur in wesentlichem Maß umweltschädlichere Baumaßnahme zu einem vergleichbaren Gebäude im Tal. Vor allem aber nimmt der Besucher Natur als etwas wahr, was nur in Zusammenhang mit einem Eventcharakter und mit Hilfe zusätzlicher menschlicher Eingriffe schützenswert ist. Anstatt Natur zum Anfassen zu erleben, wird der Bergbahnbenutzer
direkt von der Gondel in eine künstliche Erlebniswelt geführt,
in der er, so er nicht später das Angebot einer Außen-Führung
wahrnimmt, Natur nur durch eine Glasscheibe ähnlich einem TV-Film
sehen darf. |
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Dieser Verein existiert nach wie vor unter
dem Namen „Endlich freie Fahrt für PKW durch den Alpenpark Karwendel?“ Liebe Karwendelfreunde, rein zufällig bin ich auf Eure Seite gestoßen, ich finde sie super! Vielleicht interessiert Euch folgende kleine „Begebenheit“: Am 25. Juli letzten Jahres brach ich wegen einer Bike & Hike-Tour sehr früh in Scharnitz auf. Ziel war die Stempeljochspitze. Während der Tour wurde ich Zeuge einer interessanten Begebenheit. Wie auf ein unsichtbares Kommando zwängten sich plötzlich ungezählte Pkws auf abenteuerlicher Forststraße ins Gleierschtal. Zuerst dachte ich noch, es wären wohl Hüttenbedienstete oder sonstige berechtigte Anlieger. Doch die Kolonne riss nicht ab, und die farbenfrohen Informationsschilder des Naturschutzparks Karwendel verstaubten mehr und mehr. In der Nähe der Abzweigung zur Kristenalm parkten ein paar Autos, der Rest fuhr weiter. Ich war nun neugierig geworden und fragte einen Herrn in Wanderstiefeln, als dieser gerade ausstieg, was denn hier wohl los wäre. Voll Freude erklärte er mir, heute sei „Alm-Kirchweih, wie jedes Jahr am letzten Sonntag im Juli und da dürfe jeder in die Täler fahren, das wäre amtlich erlaubt!“ Diese Auskunft genügte mir nicht, und so schlug ich mich mit dem MTB weiter in der Staubwolke durch bis zur Möslalm. Dort konnte ich einen Familienvater mit 2 Kindern zur Rede stellen. Dieser erzählte mir, wie schon der Herr von vorhin, dass heute „Alm-Kirchweih“ sei und alle Gelegenheit hätten, ihre alten und kranken Angehörigen in die Hütten und Täler zu fahren. Der Gedanke ist gut und edel, aber wo sind die Alten und Kranken?
Bei einem Blick ins Innere der vorbeifahrenden Autos entdeckte ich nur
Wanderstiefel im Kofferraum und Familien mit quietschfidelen Kindern,
die vor Bewegungsdrang nur so strotzen und die sicher ein paar Kilometer
laufen könnten. Ich war sehr nachdenklich an diesem Tag, denn ich fragte mich:
Wie sind solche Eskapaden mit dem Naturschutz zu vereinbaren? Wenn es
wirklich um Alte und Kranke und nicht nur „ums Abzocken“ geht,
könnten doch an einem solchen Tag kleine Pendelbusse eingesetzt werden,
die mehrmals täglich fahren. So würden nicht Hunderte von Pkws
durch den Naturschutzpark gondeln und die Luft verpesten. Da nützen
die schönsten Naturlehrpfad-Tafeln nichts.
Ursprünglich vorgesehener (und unzensierter) Bericht für DAV-Panorama Heft
„Jetz-werds-eng“ ist ein Zusammenschluss von Naturschützern
und Bergsteigern aus dem Isarwinkel, die sich für den Erhalt der
Urlandschaft Karwendel engagieren. Die zunehmende Erschließungstätigkeit
und touristische Vermassung im Karwendel lassen nichts Gutes für
die Zukunft eines der größten Schutzgebiete der Alpen erwarten. Allein das Verkehrsaufkommen in die Eng und in das Rißbachtal stieg in den letzten 10 Jahren um 150 % ( Zählstelle Vorderriß, Infodienst BN Bayern Nr.153). Hier würde uns ein Konzept ,das nicht auf eine Steigerung des sowieso schon überbordenden Individualverkehrs setzt, sinnvoller erscheinen. Die fatale Subventionierungspolitik in Österreich fördert die Milchproduktion auf der Alm. Die Folgen sind vermehrter Straßenbau, Bau von Freilaufställen mit Schwemmentmistung sogar auf Hochlegern und eine Intensivierung der Almwirtschaft, um die Milcherzeugung zu steigern. Kraftfutter wird Lastwagenweise auf die Almen transportiert. Die Hochweiden sind überdüngt, überschüssige Gülle wird bei Regenwetter auch mal den Hang hinuntergekippt. Unserer Ansicht nach liegt die Hauptaufgabe der Almen heutzutage aber nicht mehr in der Milch- und Fleischerzeugung, sondern im Landschafts-, Wasser-, und Erosionsschutz. Traurige Höhepunkte der negativen Entwicklung sind die Straßen
am Juifen, Plumsjoch und Laliderer Hochleger. Im Naturschutzgebiet Karwendel
gibt es auf 920 qkm ca. 1500 km Straßen und Wege. Man sollte meinen,
das sei mehr als genug, doch selbst in den entlegensten Tälern entstehen
immer neue Straßen (z.B. im Laliderertal Richtung Falkenhütte,
oberhalb der Binsalm Richtung Lamsenhütte oder der Weg im Enger Grund
Richtung Hohljoch). Sollen hier neue Verbindungen geschaffen werden, kommt
hier durch die Hintertür die alte Idee einer Karwendeltransversale
von Scharnitz nach Pertisau? Der Ausbau des vorher unberührten Isarursprungs zu einer banalen Gartenbauausstellung und der ausufernde Taxiverkehr in die Karwendeltäler sind einem Naturschutzgebiet nicht angemessen. Auch Forst und Jagd tragen zu dieser unheilvollen Entwicklung bei. Forst- und Rückewege bis in die Hochlagen zerstören die empfindliche Humusauflage und das für den Waldboden lebenswichtige Pilz- und Bakteriengeflecht. Erosion und erhöhter Wasserabfluß sind die Folge. Eine natürliche Waldverjüngung kann wegen des zu hohen Wildbestandes und dem daraus resultierenden Verbiss nicht stattfinden. Anfällige Fichtenmonokulturen und sanierungsbedürftige Bergwälder sind die Folge. Es sollten nur Hauptrouten und Übergänge markiert und beschildert werden. Der Reiz der Hochgebirgslandschaft liegt doch gerade in ihrer Unberührtheit. Völlig überdimensionierte Markierungen, die vom Gipfel aus durch das ganze Kar erkennbar sind, banalisieren das Erlebnis der Naturlandschaft. Vielleicht könnten DAV und ÖAV ihre Wegebau- und Markierungstrupps in Zukunft etwas mehr im Zaume halten. Wenn wir jetzt nicht zum Umdenken anregen und motivieren, wird
der Zauber der Urlandschaft Karwendel langsam und unwiederbringlich zerstört.
Intakte Natur und unerschlossene Gebirgslandschaften sind jedoch langfristig
ein viel wertvolleres Kapital für die Region, als sich so mancher
Tourismusmanager im Moment vorstellen kann.
Wozu gibt es die Schutzzone Alpenpark Karwendel? Die Zerstörung des Isarursprungs ist nur ein weiteres Glied in einer scheinbar endlosen Kette von Erschließungsmaßnahmen im Karwendel. Man bekommt den Eindruck, als existiere der Naturschutz im Alpenpark Karwendel nur als touristischer Werbegag. Ihrem Artikel im „Bergsteiger“ zufolge ist es nicht einmal mehr möglich, den weiteren Ausbau dieses Areals zu verhindern. Ich frage mich, welchen Zweck dann Umwelt- und Naturschutzbehörden erfüllen, wenn sie sogar in einem ausgewiesenen Schutzgebiet machtlos sind? Ist ein intaktes Naturschutzgebiet wirklich wertlos für
die Tourismusindustrie? Muss es erst autogerecht zerpflückt bzw.
toterschlossen werden, damit es einen Nutzen für den Fremdenverkehr
hat? Wir glauben, dass man als Gegner solcher Brachialaktionen ein
Zeichen setzen sollte. Wir bitten daher alle Isar- und Karwendelfreunde,
unsere geplante Protestaktion von „jetz-werds-eng“ in diesem
Sommer zu unterstützen. Im Übrigen halten wir uns nur an die am Isarursprung angebrachten
Texte: H. Danzer
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