Geschichten aus dem Karwendel
Studiengang Crossmedia Publishing
Modul JRM, Einführung in methodisches Recherchieren
Dozent Marcus Lindemann

Recherchemappe
Dient das Naturinformationszentrum „Bergwelt Karwendel“
wirklich dem Naturschutz?
Abgegeben am 03.02.2009
Rita Lunghamer

A Bericht
Die „Karwendelröhre“: Ein Rohrkrepierer für den Naturschutz

Blick in einen Abgrund
Von den Projektbeteiligten gern als Großtat für die Umweltbildung vermarktet,
dient das Naturinformationszentrum „Bergwelt Karwendel“ dem Naturschutz
nicht wirklich. Zwar wird sicher bei dem einen oder anderen Besucher
des Fernrohrs beim Gang durch die Ausstellung etwas „Umweltbildung“ hängen
bleiben. Aber es ist zu fürchten, dass er in erster Linie die Erkenntnis
mitnimmt, zum Erleben und Schützen von Natur seien vor allem drei Dinge
notwendig: eine Bergbahn, ein attraktives Bauwerk und ein Blick durch eine
Glasscheibe. Wenn er sich nicht schon vorher bewusst wird, dass man Natur
am besten dort erfährt, wo sie ist: Draußen.

Spektakulär ragt das Naturinformationszentrum „Bergwelt Karwendel“ (NIZ) in Form
eines überdimensionalen Fernrohrs über den Abgrund hinaus. Auf 2240 m Höhe direkt
neben der Bergstation gelegen, bietet es seit dem 30. Juli 2008 dem Benutzer der Karwendelbahn eine Attraktion der besonderen Art. Im Inneren der Röhre befindet sich die Dauerausstellung „Bergwelt Karwendel“ mit einem begehbaren Diorama, vom vorderen Ende hat man an einer Panorama-Glaswand einen Blick in die Tiefe ins Isartal, das ebenfalls voll verglaste hintere Ende bietet einen Blick in die Karwendelmulde, Refugium der letzten Alpenschneehühner der Bayerischen Alpen. Die Umweltausstellung soll dem Besucher die Natur der Alpen und speziell des Karwendels näher bringen und ihn für die besondere Schutzwürdigkeit dieses Lebensraumes sensibilisieren.

Ursprünglich mit 1,1 Mio. EUR kalkuliert, belaufen sich die Kosten der gesamten Baumaßnahme mittlerweile auf etwa 2,7 Mio. EUR. Neben der Gemeinde Mittenwald als Bauträger gibt es noch zahlreiche weitere Geldgeber wie z.B. die EU, den Freistaat Bayern, die Allianzumweltstiftung und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Daneben wird von den Verantwortlichen des Projekts auch immer wieder die Unterstützung durch zahlreiche Umweltverbände wie den Bund Naturschutz, den Landesbund für Vogelschutz, den Verein zum Schutz der Bergwelt und den Deutschen Alpenverein (DAV) hervorgehoben.

Eine runde Sache, möchte man meinen, naja, finanziell ein wenig aus dem Ruder gelaufen, aber endlich mal eine Investition für den Naturschutz, in der geklotzt und nicht
gekleckert wird. Die wichtigsten Umweltverbände sind mit im Boot, also alles im grünen
Bereich. Dem Tourismus tut es auch gut, was will man mehr. Überall also nur Befürworter des NIZ.

Wirklich überall? Nein, eine kleine Gruppe von Umweltschützern leistet der ihrer Meinung nach schönfärberischen Darstellung der zahlreich in irgendeiner Art am Projekt
Beteiligten erbitterten Widerstand. Gäbe es nicht die Initiative „Jetz werds eng“, wäre
das Bild vom NIZ als einer Großtat für den Naturschutz öffentlich wohl nur wenig in
Frage gestellt worden.

Tiefer gehende Nachforschungen lassen dann aber eben doch erhebliche Zweifel aufkommen an dem schönen Bild von der „Versöhnung von Tourismus und Naturschutz“, wie es nicht nur Projektkoordinator Kai Elmauer gerne sehen will. Die Bedeutung für den Tourismus wurde von den finanziell oder organisatorisch am Projekt Beteiligten zwar nie geleugnet. Aber in den diversen Pressemitteilungen und Berichten wurde der Naturschutzgedanke, insbesondere die Umweltbildung, mindestens gleichberechtigt genannt oder sogar in den Vordergrund gerückt. Eine derart ausgestattete Umweltausstellung an einem solchen Standort „schärft den Blick für die Schönheit der Alpen und führt uns gleichzeitig ihre Schutzbedürftigkeit vor Augen“, so der damalige Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein bei seiner Eröffnungsrede.

Fragt man aber nach bei denen, die die Ausstellung besucht haben oder besuchen sollen, kristallisiert sich eine deutlich weniger euphorische Sichtweise heraus. In einem Artikel des Garmisch-Partenkirchener Tagblatts bezeichnet der ehemalige Gemeinderat Adolf Merk die Ausstellung im NIZ als „eine lächerliche Darbietung, die viel besser ausgestattet sein müsste“. Und in einem Bericht des Bayerischen Fernsehens zur „Karwendelröhre“ klingt dies ebenfalls an, wenn es heißt, dass die Ausstellung im Vergleich zur Dimension des Bauwerks doch recht mager geraten sei.

Der angehende Geografielehrer Christian G. geht zwar davon aus, dass das Fernrohr mit seiner Ausstellung im Bereich der Umweltbildung von Schulklassen hilfreich sein kann, allerdings müsse dabei immer eine kritische Diskussion der – seiner Meinung nach aus Naturschutzsicht äußerst fragwürdigen – Standortwahl eingebaut werden. Die verwunderte Frage des Mittenwalder Zimmerers Thomas Hesslers in einem
Bericht des Bayerischen Fernsehens, “warum man mitten in der Natur ein Naturerlebniszentrum braucht“, stellt sich auch der ganz normale Bergwanderer: Die Besucher sollen für den Naturschutz sensibilisiert werden, lernen aber gleichzeitig die Verbauung der Berge zu akzeptieren, so zum Beispiel Antje S. aus München.

Auch einige Alpenvereinsmitglieder wie etwa Fr. P., Naturschutzreferentin einer großen Sektion, äußern ihr Unverständnis zur Haltung des DAV und der anderen
Umweltverbände. Diese fühlen sich auch offensichtlich zunehmend nicht mehr ganz
wohl in ihrer Haut, zumindest rudern einige bereits zurück oder relativierten ihre Zustimmung wie etwa der Bund Naturschutz, der schon vor Fertigstellung nur noch etwas von „Akzeptanz“ statt „Unterstützung“ hören wollte. Auch weitere Aussagen („heftige Diskussionen“, „absurdes Projekt“, „Weg vom Image des ewigen Nein-Sagers“) – Antworten auf einen kritischen Brief von „Jetz werds eng“ –, belegen, dass nicht nur eine gehörige Portion Skepsis gegenüber dem Projekt besteht, sondern der Grund der Unterstützung nicht unbedingt vorrangig im Nutzen für den Naturschutz liegt.

Dies untermauert auch eine Aussage von Dr. Korbinian Dietl, Sprecher der Initiative „Jetz werds eng“, die sich dem Schutz des heimatlichen Karwendelgebirges verschrieben hat. Nach seinen Informationen seien viele dieser Verbände quasi vor vollendete Tatsachen gestellt worden: Der Bau sei beschlossene Sache, aber es bestände noch die Möglichkeit, Einfluss auf die Gestaltung der Ausstellung zu nehmen. Eine Stellungnahme zur aktuellen Position des DAV war leider nicht zu erhalten.

Dr. Große-Ophoff von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) verteidigt hingegen
das finanzielle Engagement seines Verbandes und hält auch den Standort für entscheidend für die erfolgreiche Vermittlung der Naturschutzziele des NIZ.
Er weist daraufhin, dass die Ausstellung ergänzt wird durch Führungen im Bereich der Karwendelmulde, die auch originäre Naturerfahrungen bieten. Allerdings betont er auf kritische Nachfragen zur Baumaßnahme an sich explizit, dass sich die Förderung der DBU ausschließlich auf die Ausstellung bezieht.

„Jetz werds eng“-Sprecher Dr. Korbinian Dietl verneint einen Nutzen des NIZ für den
Naturschutz kategorisch. Die Gründe für den Bau liegen seiner Ansicht nach im Gewinn-
und Geltungsstreben des Architekten und der Sanierung der wirtschaftlich maroden
Karwendelbahn. Der Bau selbst zerstöre die Landschaft, den Menschen wird genau
das als Naturschutz verkauft, was man mit der Natur nicht machen dürfe. Außerdem
sei zu fürchten, dass dieses Projekt als „Pilotprojekt“ für andere Planungen in sensiblen,
eigentlich geschützten Gebieten herhalten müsse. Die Reaktion von Besuchern und Öffentlichkeit auf die Demonstrations-Veranstaltung von „Jetz werds eng“ am Eröffnungstag sei überwiegend positiv gewesen, viele Leute teilten ihre Meinung zum Fernrohr.

Dr.Korbinan Dietl weist auch daraufhin, dass einige der Umweltverbände mittlerweile die
„Mogelpackung“ durchschaut hätten – konkret nennt er hier den Verein zum Schutz der
Bergwelt. Dessen zweiter Vorsitzender Rudi Erlacher äußert sich auch entsprechend zur
symbolischen Problematik des NIZ: Man könnte den Schluss ziehen, Naturschutz beginne mit einer Seilbahnfahrt ins Gebirge, so Erlacher gegenüber dem alpinen Magazin „Bergsteiger“ – das Gegenteil dessen, was Naturschutz erreichen wolle.
Darüber hinaus war, wie den zahlreichen Berichterstattungen zum Baufortschritt unschwer zu entnehmen ist, der Bau extrem aufwändig und damit auch energieaufwändig.

Man denke nur an die zum Teil mit Hubschraubern erfolgten Materialtransporte
oder auch an das Freischaufeln der Baugrube von Schnee. Ein weiterer Punkt, der dem
Naturschutzgedanken mit Sicherheit nicht entspricht. Und wenn man der Berichterstattung der Lokalpresse in den Monaten vor der Eröffnung folgt, wird deutlich, dass vor Ort die Bedeutung für die Wirtschaft in der Region im Allgemeinen und den Fremdenverkehr im Besonderen eine mitunter so starke Stellung einnimmt, dass der Naturschutz nicht mehr oder nur noch beiläufig Erwähnung findet.

So muss man am Ende feststellen: Beim Blick in den Abgrund tun sich Abgründe auf.
Von den immensen Kosten ganz zu schweigen (die man für den Naturschutz sicher
sinnvoller hätte einsetzen können), schadet das Naturinformationszentrum „Bergwelt
Karwendel“ dem Umwelt- und Naturschutz mehr als es ihm nützt. Je mehr man sich mit
der Sache beschäftigt, umso mehr erhärtet sich der Verdacht, dass handfesten wirtschaftlichen (und vielleicht auch selbstdastellerischen) Interessen das Deckmäntelchen des Naturschutzes umgehängt wurde, um so verbrämt ohne viel Widerstand von Umweltverbänden eine überdimensionierte Tourismusattraktion zu schaffen.

Sicher gibt es auch positive Aspekte und es sei unbestritten, dass naturunerfahrene Menschen beim Besuch der Ausstellung des Fernrohrs durchaus etwas lernen und möglicherweise auch für den Erhalt der alpinen Umwelt sensibilisiert werden können, aber der Preis dafür ist hoch. So werden mit dem Bau der Röhre die strengen Bestimmungen für Naturschutzgebiete aufgeweicht, es ist zu fürchten, dass damit ein Präzedenzfall geschaffen wird.

Dazu kommt die aufgrund der Standortwahl und der aufwändigen Architektur in wesentlichem Maß umweltschädlichere Baumaßnahme zu einem vergleichbaren Gebäude im Tal. Vor allem aber nimmt der Besucher Natur als etwas wahr, was nur in Zusammenhang mit einem Eventcharakter und mit Hilfe zusätzlicher menschlicher Eingriffe schützenswert ist.

Anstatt Natur zum Anfassen zu erleben, wird der Bergbahnbenutzer direkt von der Gondel in eine künstliche Erlebniswelt geführt, in der er, so er nicht später das Angebot einer Außen-Führung wahrnimmt, Natur nur durch eine Glasscheibe ähnlich einem TV-Film sehen darf.





Dieser Verein existiert nach wie vor unter dem Namen
"Verein zum Schutz der Bergwelt"



„Endlich freie Fahrt für PKW durch den Alpenpark Karwendel?“

Liebe Karwendelfreunde,

rein zufällig bin ich auf Eure Seite gestoßen, ich finde sie super! Vielleicht interessiert Euch folgende kleine „Begebenheit“:

Am 25. Juli letzten Jahres brach ich wegen einer Bike & Hike-Tour sehr früh in Scharnitz auf. Ziel war die Stempeljochspitze. Während der Tour wurde ich Zeuge einer interessanten Begebenheit. Wie auf ein unsichtbares Kommando zwängten sich plötzlich ungezählte Pkws auf abenteuerlicher Forststraße ins Gleierschtal. Zuerst dachte ich noch, es wären wohl Hüttenbedienstete oder sonstige berechtigte Anlieger. Doch die Kolonne riss nicht ab, und die farbenfrohen Informationsschilder des Naturschutzparks Karwendel verstaubten mehr und mehr. In der Nähe der Abzweigung zur Kristenalm parkten ein paar Autos, der Rest fuhr weiter.

Ich war nun neugierig geworden und fragte einen Herrn in Wanderstiefeln, als dieser gerade ausstieg, was denn hier wohl los wäre. Voll Freude erklärte er mir, heute sei „Alm-Kirchweih, wie jedes Jahr am letzten Sonntag im Juli und da dürfe jeder in die Täler fahren, das wäre amtlich erlaubt!“ Diese Auskunft genügte mir nicht, und so schlug ich mich mit dem MTB weiter in der Staubwolke durch bis zur Möslalm. Dort konnte ich einen Familienvater mit 2 Kindern zur Rede stellen. Dieser erzählte mir, wie schon der Herr von vorhin, dass heute „Alm-Kirchweih“ sei und alle Gelegenheit hätten, ihre alten und kranken Angehörigen in die Hütten und Täler zu fahren.

Der Gedanke ist gut und edel, aber wo sind die Alten und Kranken? Bei einem Blick ins Innere der vorbeifahrenden Autos entdeckte ich nur Wanderstiefel im Kofferraum und Familien mit quietschfidelen Kindern, die vor Bewegungsdrang nur so strotzen und die sicher ein paar Kilometer laufen könnten.
Als ich an der Möslalm vorbeiradelte, wurde es endlich ruhiger. Dort parkten mindestens 50 PKW. Nur ganz hartnäckige „Bergsteiger“ fuhren noch weiter, bis die Forststraße unterhalb der Pfeishütte für Autos zu holprig wird.

Ich war sehr nachdenklich an diesem Tag, denn ich fragte mich: Wie sind solche Eskapaden mit dem Naturschutz zu vereinbaren? Wenn es wirklich um Alte und Kranke und nicht nur „ums Abzocken“ geht, könnten doch an einem solchen Tag kleine Pendelbusse eingesetzt werden, die mehrmals täglich fahren. So würden nicht Hunderte von Pkws durch den Naturschutzpark gondeln und die Luft verpesten. Da nützen die schönsten Naturlehrpfad-Tafeln nichts.

Doris Neumayr

 

Ursprünglich vorgesehener (und unzensierter) Bericht für DAV-Panorama Heft

„Jetz-werds-eng“ ist ein Zusammenschluss von Naturschützern und Bergsteigern aus dem Isarwinkel, die sich für den Erhalt der Urlandschaft Karwendel engagieren. Die zunehmende Erschließungstätigkeit und touristische Vermassung im Karwendel lassen nichts Gutes für die Zukunft eines der größten Schutzgebiete der Alpen erwarten.

Weltweit sind die letzten intakten Naturräume von menschlicher Zerstörung bedroht. Gibt es nur Konzepte zum Ausbau des Tourismus ( siehe „Freizeit und Erholung im Karwendel naturverträglich“ ) und keine für den schonenden Umgang mit einem einzigartigen Naturschutzgebiet?

Allein das Verkehrsaufkommen in die Eng und in das Rißbachtal stieg in den letzten 10 Jahren um 150 % ( Zählstelle Vorderriß, Infodienst BN Bayern Nr.153). Hier würde uns ein Konzept ,das nicht auf eine Steigerung des sowieso schon überbordenden Individualverkehrs setzt, sinnvoller erscheinen.

Die fatale Subventionierungspolitik in Österreich fördert die Milchproduktion auf der Alm. Die Folgen sind vermehrter Straßenbau, Bau von Freilaufställen mit Schwemmentmistung sogar auf Hochlegern und eine Intensivierung der Almwirtschaft, um die Milcherzeugung zu steigern. Kraftfutter wird Lastwagenweise auf die Almen transportiert. Die Hochweiden sind überdüngt, überschüssige Gülle wird bei Regenwetter auch mal den Hang hinuntergekippt. Unserer Ansicht nach liegt die Hauptaufgabe der Almen heutzutage aber nicht mehr in der Milch- und Fleischerzeugung, sondern im Landschafts-, Wasser-, und Erosionsschutz.

Traurige Höhepunkte der negativen Entwicklung sind die Straßen am Juifen, Plumsjoch und Laliderer Hochleger. Im Naturschutzgebiet Karwendel gibt es auf 920 qkm ca. 1500 km Straßen und Wege. Man sollte meinen, das sei mehr als genug, doch selbst in den entlegensten Tälern entstehen immer neue Straßen (z.B. im Laliderertal Richtung Falkenhütte, oberhalb der Binsalm Richtung Lamsenhütte oder der Weg im Enger Grund Richtung Hohljoch). Sollen hier neue Verbindungen geschaffen werden, kommt hier durch die Hintertür die alte Idee einer Karwendeltransversale von Scharnitz nach Pertisau?

Der Neubau eines Nebengebäudes an Karwendelhaus in diesem Jahr ist für uns eine Kapazitätserweiterung entgegen den Richtlinien des DAV und dokumentiert den Vorrang kommerzieller Interessen vor dem Naturschutz.

Der Ausbau des vorher unberührten Isarursprungs zu einer banalen Gartenbauausstellung und der ausufernde Taxiverkehr in die Karwendeltäler sind einem Naturschutzgebiet nicht angemessen.

Auch Forst und Jagd tragen zu dieser unheilvollen Entwicklung bei.

Forst- und Rückewege bis in die Hochlagen zerstören die empfindliche Humusauflage und das für den Waldboden lebenswichtige Pilz- und Bakteriengeflecht. Erosion und erhöhter Wasserabfluß sind die Folge. Eine natürliche Waldverjüngung kann wegen des zu hohen

Wildbestandes und dem daraus resultierenden Verbiss nicht stattfinden. Anfällige Fichtenmonokulturen und sanierungsbedürftige Bergwälder sind die Folge.

Es sollten nur Hauptrouten und Übergänge markiert und beschildert werden. Der Reiz der Hochgebirgslandschaft liegt doch gerade in ihrer Unberührtheit. Völlig überdimensionierte Markierungen, die vom Gipfel aus durch das ganze Kar erkennbar sind, banalisieren das Erlebnis der Naturlandschaft. Vielleicht könnten DAV und ÖAV ihre Wegebau- und Markierungstrupps in Zukunft etwas mehr im Zaume halten.

Wenn wir jetzt nicht zum Umdenken anregen und motivieren, wird der Zauber der Urlandschaft Karwendel langsam und unwiederbringlich zerstört. Intakte Natur und unerschlossene Gebirgslandschaften sind jedoch langfristig ein viel wertvolleres Kapital für die Region, als sich so mancher Tourismusmanager im Moment vorstellen kann.

 

Wozu gibt es die Schutzzone Alpenpark Karwendel?

(Leserbrief zum Artikel „Kein schöner Land“ in der „Bergsteiger“ - Ausgabe Februar ´04 )

Die Zerstörung des Isarursprungs ist nur ein weiteres Glied in einer scheinbar endlosen Kette von Erschließungsmaßnahmen im Karwendel. Man bekommt den Eindruck, als existiere der Naturschutz im Alpenpark Karwendel nur als touristischer Werbegag.

Ihrem Artikel im „Bergsteiger“ zufolge ist es nicht einmal mehr möglich, den weiteren Ausbau dieses Areals zu verhindern. Ich frage mich, welchen Zweck dann Umwelt- und Naturschutzbehörden erfüllen, wenn sie sogar in einem ausgewiesenen Schutzgebiet machtlos sind?

Ist ein intaktes Naturschutzgebiet wirklich wertlos für die Tourismusindustrie? Muss es erst autogerecht zerpflückt bzw. toterschlossen werden, damit es einen Nutzen für den Fremdenverkehr hat?
Ein in dieser Art weit und breit einmaliges Quellsystem wurde von seinem natürlichen Bewuchs befreit, mit aufgekiesten Straßen und Wegen überzogen und mit teilweise fast grotesk zu nennenden Zäunen, Bänken, Brücken und Schautafeln verunstaltet. Bezeichnenderweise wurde der Grabstein gleich mitgeliefert. Wie in diesem Ambiente die auf den Schautafeln gerühmten Frösche, Lurche usw. überleben sollen, ist fraglich.
Scheinbar ist intakte und unzerstörte Natur für manche Menschen unerträglich, besonders dann, wenn man den einen oder anderen Euro ’rausquetschen könnte.

Wir glauben, dass man als Gegner solcher Brachialaktionen ein Zeichen setzen sollte. Wir bitten daher alle Isar- und Karwendelfreunde, unsere geplante Protestaktion von „jetz-werds-eng“ in diesem Sommer zu unterstützen.
( genauer Ablauf und Termin stehen noch nicht fest )

Im Übrigen halten wir uns nur an die am Isarursprung angebrachten Texte:
„ Helfen sie mit, unsere Quellen zu schützen!“
Aber gerne! Leider müssten aber hier zuallererst die Quellen vor ihren unsensiblen Erschließern geschützt werden!

Früher waren Quellen dem Menschen heilig. Heilig beinhaltet das Wort heil.
Von heilen Quellen unseres Heimatflusses Isar kann nun leider nicht mehr die Rede sein.

H. Danzer